2026-09-17,18,19 Malaga
Das ist noch nicht die Herbst Tour, sondern die letzte Dienstreise vor der Herbst Tour. Die Perks, die man so als VP-Engineering bekommt. Wir besuchen unsere Lieferantfirma rindus in Malaga. Die haben auch Sommerfest. Am Freitagabend, aber ansonsten ist das Arbeiten wie immer, iPad raus, Videokonferenz rein. Manchmal schön, immer intensiv und leider häufig auch ein bisschen anstrengend.
Am Samstagvormittag mit Jens im Recyclo Bike Shop. Hier habe ich eine Cap für Niki gekauft. Der Blödmann hat mich aber dann auch kurz danach aufgefordert eine Cap zu kaufen. Somit ist die Überraschung also hin. Die Cap allerdings sieht toll aus und da wird er sich freuen.

Nun sitze ich am Flughafen und werde heute spät am abend in Hamburg ankommen, die Fahrradtaschen packen, satteln und dann ganz früh morgen zum Bahnhof radeln. Wahrscheinlich Dammtor. Oder Altona. So könnte ich die neue Sternbrücke noch einmal sehen. Und dann fahren wir zu viert mit Johann, Claus und Jürgen nach Aachen. Und von dort am frühen Nachmittag per Rad die erste Etappe nach Maastricht.
2026-09-20 Aachen - Maastricht
Km: 36
Hm: 370
KCAL: 871
Stimmung[0-10]:
Heute morgen um 5:45 wach geworden und dann aufgestanden. Sachen packen und um 06:30 einen Kaffee mit Dagmar trinken was super. Aber natürlich viel zu früh. Um 07:00 ging es los zum Dammtorbahnhof. Franzbrötchen auf dem Weg gekauft um sie später mit Jürgen, Claus und Johann im Zug zu teilen.

Es ging über Köln nach Aachen und dann nur kurz zu Johannes Verwandschaft, wo es Printen und Kaffee gab. Wir bewunderten ihren frisch renovierten Altbau aus den 60ern, nun mit ökologischen Lehmwänden. Klasse, wie die junge Familie durchstartet,
Dann endlich ging es los über die Holländischen Alpen. Einige Hügel in Limburg.

Erst um ca. 18:30 kamen wir in Maastricht an. Der Stadt, in der 1992 wesentliche Gleise zur Erstellung der Europäischen Union gelegt wurden.

Maastricht ist eine schöne, offene Stadt am unteren Lauf der Maas, dem längsten Nebenfluss des Rheins. Unsere Unterkunft ist ein Vierbettzimmer in einem Altbau. Hoffentlich schnarchen die Jungs nicht.
Fazit des Tages: Claus blieb auf Jürgens Streckenführung fast im Schlamm stecken, Johann versucht bis in den späten Abend, sich darauf noch ein paar Reime zu machen. Jürgen hat seine klaffende Wunde am Knie fachmännisch mit Klopapier und Gummiband möglichst steril fixiert. Vielleicht ist das Bein noch zu retten.
2026-09-21 Maastricht - Leuwen
Km: 84
Hm: 281
KCAL: 1786
Stimmung[0-10]: 10
Der Start in Maastricht zog sich hin. Wie die Verhandlung zur Gründung der EU. Erst einmal mussten wir in eine Kirche mit integriertem Bücherladen gehen. Marens und Jürgens Geheimtipp war tatsächlich nett und der Kaffee war lecker. Gute Verwendung für eine Kirche.

Kurz nach elf radeln wir dann die 1. Kilometer. Raus aus Maastricht, rein nach Belgien.
Transclude of pasted-image-20260921195752
In Belgien ging es zunächst einmal an Kanal entlang. Der Kanal ist größer und breiter als alles, was wir in Deutschland zu bieten haben. Außerdem fahren Schiffe auf dem Kanal, anders als bei einigen unserer Kanäle. Kanal fahren, macht grundsätzlich Spaß, weil es immer im Wesentlichen geradeaus fährt und eben ist.

Hassel: Die Mittagspause fand in einem unsäglichen Ort statt. Eine geschlagene halbe Stunde oder noch mehr suchten wir nach belgischen Pommes mit brauner Soße. Jürgen ließ sich zwischendurch in einer Apotheke verarzten. Das Bein muss nicht amputiert werden. Ich war schlau, und aß die Pommes mit brauner Soße nicht. Ich hab sie nur probiert, die braune Soße enthält mehr Zucker als Salz und die zweimal frittierten Pommes waren lasch. Dahingegen war mein Döner, den ich mir immerhin in einer der besten Dönerbuden dieser Stadt besorgte, auch irgendwie lasch und enthielt kein Kraut. Insgesamt eine vertane Stunde in einer unsäglichen Stadt.
Gesättigt jedoch wenig beglückt machten wir uns auf die lange Nachmittagstour nach Löwen.

Zwischendrin unterbrochen von Gartenzwergen und belgischen Bier.

Löwen bietet eine gigantische Altstadt, die wir aber noch nicht richtig gesehen haben, denn nach 88 km hängen wir noch schlapp nach der Dusche in den Betten rum. Gleich gibt’s was zu essen. Schon bei der Durchfahrt konnten wir jedoch feststellen, dass die Stadt voll mit tausenden von StudentInnen ist.

Völlig ratlos überlegen wir uns, was wohl ein Chowder ist. Jedenfalls werden wir das Essen.

2026-09-22 Leuven - Brüssel (Andalecht)
Km: 36
Hm: 240
KCAL: >1000
Stimmung[0-10]: 10,
Auch heute zog sich das Losfahren hin wie zäher Honig. In Leuven besichtigten wir noch die Kathedrale, die mich an die Kathedrale in Lincoln (Englandtour vor zwei Jahren ) erinnerte. Nicht von außen, da ist die von Lincoln viel wuchtiger. Aber innen sehen die sich ähnlich.
In dieser Sint-Pieterskerk steht ein Schnitzwerk aus Eiche, die braun gebeizt wurde. Das ist die Kanzel des vorderen Kirchenschiffs, also dort, wo die Kurie die römischen Wahrheiten unter das Volk brachte.
Bestimmt wurden viele zentral römische Botschaften von dieser Kanzel runter gecancelt. Kanzel, Kultur. Am Aufgang hinten ist der reuige Petrus zu sehen. Vielleicht soll er diejenigen, die auf die Kanzel steigen daran erinnern, dass man sich auch mal im Leben irren kann.
Besonders lustig finde ich, das schon damals Petrus mit Birkenstock-Sandalen unterwegs war.

Dann ging die kurze und schöne Tour nach Brüssel los. Erstaunlich, ich habe Belgien so schöne Fahrradwege nicht zugetraut. Ich hatte hier eher die brittische Qualität erwartet. My bad, sorry Belgien, your biketrails rock!
Mijn fout, sorry België, jullie fietspaden zijn de max!
Mea culpa, désolé la Belgique, vos pistes cyclables, c’est top !

Brüssel ist alles, was Berlin sein könnte, wenn es nicht so abgerockert, zerbombt, zerteilt wieder aufgebaut und einfach verschuldet wäre.
Brüssel, größer, toller, goldener und gediegener als Berlin. Und natürlich ist es auch die Hauptstadt Europas. Da muss das wohl dann auch so sein.

Natürlich waren wir zwischendurch auch essen, Eis essen, Indisch essen, italienisch essen… morgen fahren wir nach Antwerpen. Jürgen möchte gerne durch die Diamantenschranke in die Diamantenstraße fahren. Ich habe gerade herausgefunden, dass wir die Räder dort schieben werden müssen.
2026-09-23 Brüssel (Andalecht) - Antwerpen
Km: 60
Hm: 166
KCAL: 1258
Stimmung [0-10]: 10
Brüssel ist ein bisschen magnetisch und lässt einen kaum wieder ziehen. Besonders das Eisenfahrrad fühlt sich angezogen und festgehalten. Über einen wunderbaren grünen Schlauchweg mit weißrindigen Birken kamen wir in, durch und aus der Stadt wieder heraus.

Dann kamen wir am Atomium vorbei. Die neun begehbaren Kugeln, ein Würfel mit acht Atomen an den Ecken und einem flächenzentriertem Atom in der Mitte. Der Würfel steht auf einer seiner Ecken und ragt 102 Meter in die Höhe. 1958 zur Weltausstellung wurde er hier aufgebaut. Damals, mitten im kalten Krieg, waren Atome angesagt. Dieses Neunerensenble stellt die Grundstruktur des Eisens dar. Quasi das Grundelement meines Fahrrads. Beeindruckend!


Natürlich wieder mit Kaffeepause und viel Zeit vertrödeln.
Weiter ging es nach Mechelen, dort haben wir unsere Mittagspause ein. Auch wieder eine schöne Stadt, mit erhaltener Altstadt, einem großen Platz, wuchtiger Kathedrale und einem interessanten foodcourt.

Die nicht mehr so lange Strecke nach Antwerpen radelt man locker am Nachmittag weg. In Antwerpen ist der Bahnhof unter anderem beeindruckend. Eine Riesen-Vorhalle und dann Züge auf mehreren Ebenen.


Und dann natürlich Antwerpen. Wie zu erwarten völlig erschlagend in seinem Prunk und seiner Pracht.

Ich brauchte erst mal etwas Zeit für mich und bin an der Schelde Laufen gegangen. Anstrengende 6 km. Diese Pracht- und Prunkstädte sind wie ein fortwährender Kulturschock. Morgen geht’s nach Gent, bestimmt der nächste Schocker.
2026-09-24 Antwerpen - Gent
Km: 70
Hm: 85
KCAL: ca 1700
Stimmung [0-10]: 10
Heute ein erstaunliches Ereignis. Mittagessen draußen auf einer Bank mit Wasser und vorher geschmierter Stulle. Das hat es auf diesen Radtouren noch nie gegeben. Eine erste einzigartige Premiere…
Aus Antwerpen heraus ging es durch einen alten Tunnel unter der Schelde hindurch, in dem man sowohl Fahrradfahren als auch zu Fuß gehen als auch Elektrobikes konnte. Die Belgier sind da ganz entspannt. Mit dem Fahrstuhl ging es runter, wie im alten Elbtunnel.

Auf der anderen Seite führte eine hölzerne Rolltreppe in zwei Etappen nach oben. In London gab es so eine Rolltreppe auch mal, die war sogar noch etwas älter. Ist dann aber abgebrannt. Somit könnte es sein, dass Antwerpen aktuell die älteste Holzrolltreppe der Welt hat.


Auf der anderen Seite ging es dann Schelde aufwärts in einer Mischung aus Naturschutzgebiet und Industrieansiedlung.

Besonders merkwürdig ist die Architektur der Niederlassung des Bauunternehmens Cordeel. Das Gebäude ist riesig und ragt halb in die Schelde hinein.

In Gent angekommen, bezogen wir unser Apartment mit Dachterrasse. Es gibt zwei sehr enge Doppelbetten, ich versuche einmal, ob ich auf der Dachterrasse schlafen kann. Das wirkte auf dem ersten Blick etwas gemütlicher (dieser Versuch endete mit einer nächtlichen Mücken Flucht aufs Sofa).
Gent ist, genau wie die anderen belgischen Städte, ein totaler Kulturschock. Weite Teile der Altstadt und der Burg sind erhalten. Die Stadt ist voller Touristen und Studenten. Und als wir zum Abendessen gingen, es gab Rahmen bei Umami, war die ganze Stadt in einem feuriges Abendbrot getaucht.






Morgen geht es Richtung Brügge. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Brügge da noch etwas obendrauf setzen kann. Andererseits ist die kulturelle Eskalation der Städte der letzten Tage auch ungebrochen immer fantastischer geworden.
2026-09-25 Gent - Brügge
Km:
Hm:
KCAL:
Stimmung [0-10]: 10
Der Ausblick von unserer Dachterrasse in Gent zeigt ein seltsames Gebilde. Eine Kugel, die in zwei Sphären eingebettet ist. Auffällig. Und oben auf dem Gebäude auch ohne erkennbaren Zweck. Eine gar nicht so kleine Recherche ergab, dass es sich dabei um die Nachbildung der Zeitmaschine aus dem belgischen Comic, Blake und Mortimer, die teuflische Maschine von 1960 handelt.


Erfunden hat das Édgar P. Jacobs, ein belgischer Comic-Zeichner des 20. Jahrhunderts und Mitbegründer der klaren Linie. Diesem Genre gehörte natürlich auch Hergé mit Tim und Struppi an.
Wir haben uns auf unsere Zeit-Raum Maschinen gesetzt, und sind langsam und mit vielen Störungen und Unterbrechungen Richtung Brügge geradelt. Der Weg war unterbrochen von Pommes und Zeug. Alles nicht sehr schmackhaft, dafür aber gar nicht mal so billig.
Die Streckenführung war wieder sehr schön und das Wetter hervorragend. Hab ich eigentlich in dieser Stelle schon irgendwo die belgischen Fahrradwege gelobt? Es ist wie auf einer Spiegelfläche fahren. Keine Erhebung erschüttert den Fahrer. Geräuschlos gleiten wir dahin. Es ist möglich, solche Fahrradwege zu bauen, aber in Europa noch unüblich. Klare Linie sage ich nur. Belgien ist seiner Zeit anscheinend schon wieder mal voraus.
Zwischendurch treffen wir Fahrradfahrer mit Panne. Carbon Felge zu doll in den Schlauch gefahren. Zwei Löcher. Unflickbar. Diese Art von Platten nennt man auch Snakebite wegen der charakteristischen Doppellochstruktur im Schlauch.

Brügge:
Noch leben wir. Trotz Fritten mit Zubehör und Eiscreme und Bier. Insgesamt ist die Stadt glücklicherweise nicht noch geiler als Gent. So eine Steigerung hätte mein kultureller Kleingeist nicht einfach verarbeiten können. Daher bin ich froh, dass Brügge nur belgisches Mittelmaß ist. Aber immerhin auch ganz nett


2026-09-26 Brügge - Vlissingen
Km: 57
Hm: 63
KCAL: 1200
Stimmung [0-10]: 8 (heute überfiel mich eine Tammy-Trauer)
Nun sitzen wir hier etabliert in einem sehr teuren und sehr geilen Hotel. Es ist nicht mal teuer, es ist einfach nur geil. Es ist jeden Cent Wert sagt Johann, ich sage, es ist schon etwas oberhalb meines üblichen Budgets. Trotzdem Balsam auf meine zermürbte Seele, denn heute überfiel mich eine große Trauer wegen unseres verstorbenen Hundes. Tammy. Besonders, als ich kurz hinter der Fähre eine sehr ungeduldige Frau mit einem weiß- schwarzen, lebendigen Hund sah. Der Hund war sehr lebendig, die Frau sehr genervt. Sie bediente die Leine wie eine Angelrute an der am dicken Ende ein Hobbyangler sitzt. Der Hund tut mir leid.
Der Morgen begann mit einem Speichenbruch in Klaus Hinterrad. Glücklicherweise hatte er eine Ersatzspeiche dabei, so ließ sich der Schaden schnell beheben.

Bei gutem Wetter ging es nach Zeebrügge, teilweise auf schönen Wegen, teils durch Industrie.

Natürlich lud die Ankunft am Meer zu einer Pause ein und zu einem Gruppenfoto.

Die Belgier bauen acht oder neun Stockwerke hohe Bettenburgen an der Küste. Etwas nördlich von Zeebrügge liegt der Ferienort Knokke, ein exzellentes Beispiel für Betontristesse am Strand.



Knokke lässt mich an Belgien und den Menschen in Allgemeinen verzweifeln. Wenn Gott sich irgendwann enttäuscht von der Menschheit und dem Planeten Erde abwendet, dann wird Knokke ein dafür ausschlaggebender Grund sein.
Wir kehrten in einer Strandbar ein.

Johann sagt, ein Glück, dass die neun Stockwerke in die Höhe bauen. Würde man das alles flach bauen dann wäre der Norden, der einigermaßen schön war, auch komplett zugebaut. Jürgen meint meine Argumente sind elitär. Macht nix.
Dann noch schönes Grenzüberqueren nach Holland. Das Schöne daran: keine Grenze.


Dann wäre über die Westerfelde, Vlissingen, Hotel.

Morgen geht es an der Küste weiter Richtung Outdorp. Und vorher werden wir uns noch der zweiten gebrochenen Speiche an Claus Fahrrad widmen. Mal gucken wie das wird, immerhin ist Sonntag und es ist nicht zu erwarten, dass es Fahrradläden mit Öffnungszeiten gibt. Eine weitere Ersatzspeiche hat Claus auch nicht. Nur die kaputte gewechselte Speiche von heutemorgen… wir werden das irgendwie macGuivern müssen.
2026-09-27 Vlissingen - Outdorp
Km: 62,5
Hm: 107
KCAL: 1625
Stimmung [0-10]: 10
Nun sitzen wir wieder beisammen bei Aperol Spritz Natur trüben Weizenbier und Corona Zero. Nach kräftezehrenden 62 km. Entfernung, die wir früher locker in 2,5 Stunden bewältigt hätten. Aber die vielen Moule fritté bremsen enorm.

Der Tag begann mit einem opulenten Frühstück. Die alte Fabrik, die jetzt ein modernes Hotel ist, war morgens licht,durchflutet und voller Touristen. Gedränge am Buffet. Vom Gedränge habe ich kein Foto gemacht, denn als braver Tourist war ich vorher da. Aber das Hotel habe ich fotografiert. Eindrucksvoll!

Rundfunk klaus und Johann, schräg von oben. Die war noch braver Touristen und noch früher am Buffet.

Dann ging es erst mal zum lokalen Fahrradladen am Bahnhof. Alle zwei Tage auf dieser Tour müssen wir Routinemäßig Claus Fahrradspeichen reparieren. Inzwischen gibt es in der Gruppe diverse Vorschläge, wie er sich radmässig modernisieren oder verbessern könnte. Der Fahrer Typ war hollandmäßig relaxt und sehr, sehr kompetent!


Nach keiner halben Stunde Arbeit lief Claus Rad wieder wie neu. Wie eine Schallplatte auf einem Lenco Schallplattenspieler. Claus Laune besserte sich sofort. Seine Angst, allein mit der Bahn nach Hause fahren zu müssen wich einer bisher noch nicht da gewesenen Euphorie.
Die Tour führte erst nach Middelburg und danach Richtung Norden immer am Deich entlang. Hier Mündungsgebiet von Schelde, Maaß und Rhein gibt es nicht so viele Städte. Nur Sandinseln, die irgendwie miteinander verbunden sind.



Ebene, Radwege, Sonnenschein und ein beständiger, leichter Rückenwind sorgten für hervorragend Fahrkomfort.


Das heutige Ziel war der Campingplatz von Ouddorp. Hier haben wir zwei kleine und luxuriöse Chalet gemietet. Kurz vor Dienstschluss der Rezeption checkten wir ein. Besonders verlockend war die gegenüberliegende Kneipe, in der man Aperol spritzen und Bier im Sonnenlicht schon glänzen sah. Dieser Attraktion konnten wir uns natürlich nicht widersetzen.

Morgen geht es dann nach Rotterdam. Das wird dann für mich der letzte Abschnitt der gemeinsamen Radtour sein. Am Dienstag früh werde ich Richtung Dortmund mit der Bahn weiterfahren.
2026-09-20 Ouddorp - Rotterdam
Km: 59
Hm: 157
KCAL: 1301
Stimmung [0-10]: 7
Der Tag begann mit einem lauschigen Frühstück aus der vorbeigebrachten Box auf der Terrasse unserer Tiny-Unterkunft. Sonne und Tröpfelregen wechselten sich ab, so spannte ich den Sonnenschirm auf, damit alles trocken blieb. Eigentlich dachte ich an ein gemeinsames Frühstück zu viert, aber Claus absentierte sich zum Strand und Johann las die Einladung zum gemeinsamen Frühstück erst, als er schon alle Brötchen vertilgt hatte.

Nach erheblichem rumtrödeln ging die Fahrt los und führte uns durch eine schöne Dünenstrecke Richtung Hafenstadt. im Dunst am Horizont lies sich schon erahnen, welch industrielle Urbanisation uns später erwartete.


Aber bevor sirr in die Nähe des molochigen Hafens von Rotterdam kamen, erwartete uns ein Plattfuß-Abenteurer vom feinsten. Hinter einer etwas engen Kurve fing Johanns Hinterrad an, immer schlapper zu werden. Ein erster Flickversuch am Straßenrand mit Ausbau des riemengetriebenen Hinterrades ergab keine Auffindung des Lochs. Allerdings lernten wir erneut die Hilfsbereitschaft im Auto vorbeifahrender Niederländer in Bezug auf Fahrradpannen kennen. Wenn man hier neue Bekanntschaften machen möchte, reicht es aus, sein Fahrrad auf den Kopf zu stellen oder ein Rad auszubauen und dann abwarten. Kurze Zeit später kommt ein Einheimischer und bietet Hilfe an. Wir jedenfalls waren zu dumm und zu stolz, die Hilfe anzunehmen und einigten uns darauf, es sei wohl dqs etwas lockere Ventil.
Aber das Glück ist mit den Dummen, kurze Zeit später mit erneut slappen Hinterreifen erreichten wir einen filmreifen Fischimbiss. Hier konnten wir dann in Ruhe unter einem regenschützenden Sonnenschirm das winzige und komisch positionierte Loch im Schlauch finden und flicken. Luft in den Reifen bekamen wir dann
mit der bestmöglichen Pumpe, die ein herbeigeeilter Holländer uns bereitstellte.


Dann gab es Fisch im Imbiss.

Die weitere Einreise nach Rotterdam durch die industriellen Hafengebiete im regnerischen Wetter war lauf und etwas langweilig.


Die Highlights waren die Fähre über die Schelde, der alte Tunnel unter der Schelde hindurch (mit Holzrolltreppen) und die neue Brücke zurück, wieder über die Schelde. Jürgen hat uns stadtplantechnisch optimierert allen Stadtentwicklungs-Landmarken vorbeigeführt.


Unsere Übernachtung im stayokay Hostel nahe der Markthalle was ein weiteres kulturarchitektonisches Highlight dieser Reise. In riesigen auf die Spitze gestellten Würfeln übernachteten wir im Kubushaus, einem Entwurfsmuster des Architekten Piet Blom, der 1972 damit das Leben in hexagonalen Strukturen auch in Rotterdamm ermöglichte. Interessanterweise war die Fertigstellung erst 1984. Also zu einer Zeit, als die 70er Jahre für mich persönlich nach Verbannung der Schlaghose aus dem Kleiderschrank und der Ankunft von Joachim Witt und Spliff im Kassettenrecorder lange Vergangenheit waren.
Abends besuchten wir die Markthalle, ein Schlemmerland aus der Zukunft.

2026-09-29 Rotterdam - Dortmund
Für mich heißt es nun Tschüss. Ich bin Richtung Dortmund unterwegs, zum Douglas Hackathon, zwei Tag Arbeiten, bevor der Trip weiter geht. Danke, Jürgen, Johann und Claus für die tolle Fahrt und bis zum nächsten mal.

2026-09-29 - 2026-10-01 Dortmund und der Hackathon
Warum überhaupt machen wir so einen Hackathon? Hier ist das, was die sprechende Müllhald dazu zu sagen hat:
„Warum machen wir das? Weil man AI nicht in Meetings lernt, sondern beim Bauen. Heute sitzen Zentral-IT und Shop-Engineering an einem Tisch, mit Google und SAP direkt daneben. Wir wollen herausfinden, was mit diesen Werkzeugen für Douglas wirklich möglich ist, schnell, unkompliziert und gemeinsam. Und die besten Ideen von heute sollen nicht in der Schublade landen, sondern unsere nächsten Produkte werden.“
Mir jedenfalls hat es ein breites Grinsen ins Gesicht gezaubert, all die unterschiedlichen Leute und die Stimmung mitzubekommen. Management bei Douglas ist normalerweise alles andere als Spaß und gerade die l.ezten Monate waren sehr spaßarm. Aber dieser Tag hat Spaß gemacht. Nicht nur mir.
2026-10-01 Dortmund - Netzbach
Dann bin ich am Nachmittag mit de Rad in der Bahn nach Netzbach bei Limburg gefahren, um einen faulen Tag bei Thorsten und Pat zu verbringen. Nur ein kurzes Stück mit dem Fahrrad, das allerdings hatte es in sich. Auf den 11 Kilometern verfolgte mich eine dunkelgrau fransig abgesetzte Regenfront. Wäre die nur von hinten gekommen, hätte ich vielleicht eine Chance gehabt. Regen zieht mit etwa 30 km/h (Kaltfront mit 60 km/h). Aber das Ding kam von der Seite und mit Gepäck und leicht bergauf fahre ich auch sicher keine 30. Also wurde ich vom Regen erwischt.

Einmal angekommen, trocknete ich meine nassen Klamotten und mich. Abends gingen Thorsten und ich ins lokale Kulturzentrum, den Kreml, und besprachen bei lokalem Bier und Burger die Gesamtlage.
2026-10-02 Netzbach
Der nächste Tag war für mich ein Feiertag. Ich hatte nix vor. Spät vormittags frühstückte ich mit Pat und ihrem Enkel Lasse im Tiny House. Dann kümmerte mich um mein Fahrrad, Kettenkasten und abgesprungene Kette machen immer wieder Kummer. Dann lief ich 8 km grenzüberschreitend zwischen Rheinland-Pfalz und Hessen um nicht5 völlig aus dem Training zu fallen. Abends Kreml allein. Ein absolut großartiger Tag.
2026-10-03 Netzbach - Ladenburg
Km: 132
Hm: 720
KCAL: viele! Die Apple Watch war nach 1700 leer. Ich schätze >3000.
Stimmung [0-10]: 10
Morgens Kaffee und Müsli im Bauwagen mit Thorsten und dann ein früher Start im Nebel.

Es war richtig kalt und der feuchtneblige Herbstmorgen zauberte mir eine dicke Tautropfenschicht auf die gut isolierten Ärmel meines Reisepullovers. Nur die Hände waren nicht gut isoliert. Der erste Herbsttag, ab dem ich Handschuhe vermisste. Die Fahrt ging zunächst im
Aartal Richtung Süden Richtung Taunus. Im alten Dierke Weltatlas hätte ich das ungefähr so eingezeichnet:

Als ich Richtung Höhenzug deds Taunus kann lichtete sich der Nebel etwas und es ließ sich erahnen, dass die Sonne sich herauskommen wird. Das ging sehr langsam und gab eine ganze Zeit lang eine sehr unwirkliche Stimmung.




Im Wald dann war es soweit, Durchbruch der Sonne. Ich fuhr durch die letzten Nebelschwaden, in denen man die kleinen Tröpfchen Wasser genau sehen konnte.


Weiter ging es nach Wiesbaden durchs Nerotal. Eine schöne Einfahrt in die Stadt, direkt aus dem Taunus in der von Millionärsvillen umsäumten Park, der akustisch vom krähen der Papageien dominiert wird. Früher wohnten hier Sandra und Bernd und ich erinnere mich gut an ihre Gastfreundschaft und die vielen male, die ich sie besuchte.

Mittagspause in Wiesbaden und dann fuhr ich über den Rhein nach Mainz und auf der westlichen Rheinseite an Weinbergen und dicken Bundesstraßen entlang ich die Fähre nach Gernsheim nehmen konnte. Auf drr anderen Seite empfing mich Thomas. Thomas und Matthias lernten Niki und ich vor einem Jahr in Spanien auf unserer Portugal-Tour kennen. Auf dem Weg nach Ladenburg zeigte er mir noch Lorsch, den Ort, an dem Karl der Große im achten Jahrhundert ein gigantisches Benediktinerkloster errichtete. Dieses Kloster Lorsch ist heute Weltkulturerbe und liegt auf einem kleinen Plateau mit gutem Blick auf die Rheinebene. Im Osten der Odenwald und im Westen in der Ferne der Pfälzer Wald.

Dann ging es weiter nach Ladenburg zu Thomas und Uta, deren Gastfreundschaft ich genießen durfte. Abends trafen wir Matthias beim Italiener. Der einzige, der in der Runde fehlte war Niki. Thomas und Matthias bestehen darauf, dass iwr noch einmal zu zweit vorbeikommen.

2026-10-04 Ladenburg - Bietigheim-Bissingen
Km: 90,8
Hm: 920
KCAL: 2412
Stimmung [0-10]: 10
Matthias kommt vorbei und wir frühstücken üppig. Als Wegzehrung bekam ich noch eine kleine Tüte mit Gummibärchen und Lakritz mit, quasi Haribo Colorado Home made. Abschiedsfotos im gegenüberliegenden Vorgang mit Matthias.


Thomas begleitete mich noch die nächsten 40 km zunächst entlang der Bergstraße und dann in der Nähe von Walldorf links in die Hügel. So vermiete ich die höchsten Punkte des Odenwalds. auf unserer gemeinsamen Strecke nach Eichtersheim passierten wir die Schrebergärten eines HSV Fans. Merkwürdig, wo überall HSV Fans in der Welt schlummern. Und warum?
kurz vor Eichtersheim fuhr ich mir einen Brombeerdorn in meinen Hinterreifen. Wenigstens sah das Holzding, das mir den Plattfuß beschehrte, aus wie ein Brombeerdorn. Es zeigt sich wieder mal, dass je näher mal nach Stuttgart kommt die technischen Fähigkeiten der deutschen zunehmen. Ich hab mich ja immer für einen guten Fahrradflicker gehalten, aber das Tempo mit dem Thomas an der Radstation das Fahrrad repariert war enorm.


Im benachbarten Park mit Wasserschloss tanken wir noch eine Apfelschorle, fotografierten uns vor Kunstwerken und verabschiedet uns bis zum nächsten Mal. Niki, das nächste Mal musst du dabei sein.

Dann ging es für mich alleine weiter nach Bietigheim Bissingen. Eine sehr schöne und sehr hügelige Strecke. Es ist nicht der Odenwald und es ist auch nicht der Schwarzwald. Es ist eine Art Zwischenwald, dessen Bezeichnung ich noch nicht gefunden habe.
2026-10-05 Bietigheim-Bissingen - Hohenstadt
Km: 88,4
Hm: 1240
KCAL: 2603
Stimmung [0-10]:

In Bietigheim-Bissingen übernachte ich Friedrich von Schiller Hotel. Es war etwas schwer zu finden und ist fest im freundlicher italienischer Hand. Direkt am Marktplatz, aber eben etwas verwinkelt. Das Bild zeigt meinen Aufbruch am Morgen. Durch Herbst nebeliges Wetter ging es in Richtung Ludwigsburg. Von Ludwigsburg habe ich nicht viel mitbekommen, nur Krankenwagen, Einsatz und Hochhäuser im Nebel.

Auf dem Weg zum NeckAr wurde ich von Staren beschimpft. Ich glaube es waren Stare auf dem Strommast. Etwas schwer im Nebel auszumachen was für eine Art Vogel da so rabaukenhaft rumzwitscherte.

Auf diesem Teilstück meines Weges merkt man die Nähe, Stuttgart und die Ferne Belgiens. Solche Radwege wären in Belgien und denkbar und eine dermaßen aufs Auto ausgerichtete Verkehrsinfrastruktur ist glaube ich auf der Welt nur in Stuttgart denkbar.

Auf dem Bild sieht der Radweg bei weitem nicht so schlimm aus, wie er sich in den Handgelenken angefüllt hat. So, um 10:15 Uhr lies die Sonne sich langsam blicken

Und dann etwas später am Neckar war der Nebel wie weggeblasen. So hässlich die Lange gerade Straße nach Ludwigsburg war, so schön, war dann der Weg am Neckar entlang

Im Esslingen war ich zum späten Frühstück um 12:00 Uhr mit Beate verabredet, die ich im letzten Jahr auf der Portugal Reise am Fisherman Trail traf. Esslingen scheint mir hin und hergerissen zu sein zwischen schöner Altstadt und industriellem Vorort von Stuttgart. Es ging weiter am Neckar entlang, bis Plochingen. Ich näherte ich mich der schwäbischen Alb.

Das erste markante Wahrzeichen der schwäbischen Albist die Burg Teck. Dann ein Fels namens Limburg, links, der oben Kahl ist. Auf der Mitte wird Wein angebaut und schon in der Steinzeit soll er irgendwie bekannt gewesen sein. Das hat mir alles Cloude verraten, während ich fuhr. Dann begann ein ungeheuer ansteigen auf die Alpkante in drei Stufen bis auf 820 m Höhe. Ein sehr steiler Schotterpfad führte bergan. So steil hoch zu fahren, kostet viel Kraft. Wenn es nicht ganz so schnell hochgeht, ist es irgendwie nicht so schlimm, das dauert einfach nur lang. oben angekommen machte eine Pause und informierte mich über diese Kalkplatte, die schräg in der Landschaft hängt.

Und ich buche mir das nächstgelegene Zimmer in Hohenstadt. Beweg dahin, führte noch über zwei weitere Täler und wieder auf der anderen Seite hoch. Wunderschöne Landschaften im Abendrot


Mit müden Beinen kam ichim Gasthof Sonne an.

2026-10-06 Hohenstadt - Kloster Bonlanden
Km: 90,6
Hm: 350
KCAL: 1975
Stimmung [0-10]: 10

Auf Schwaben reimt sich Magen. Der scheint bei denen größer und wichtiger zu sein, als andernorts. Vielleicht ist der Magen in Schwaben auch direkt mit dem Herz verbunden, dann könnte ich sagen, es war ein herzliches Frühstück. Das zusätzliche angebotene Frühstücksei lehnte ich ab.
Und dann die schwäbische Korrektheit. Bei der Abrechnung bemerkte ich, dass ich im Vergleich zu dem Preis mit Frühstück zehn Euro mehr bezahlt hatte, als von Booking ausgewiesen. Weil es mir so gut gefallen hat, wollte ich es dabei belassen und sagte nichts. Kurz vor meiner Abfahrt mit dem Fahrrad lief mir die Juniorchefin hinterher und wedelte mit einem zehn Euro Schein. Somit ist auch an diesem Tag die Bilanz wieder in der Balance.
Die schwäbische schiefe Hochebene im Morgen Nebel mit Bauernhof. So habe ich mir das immer in den Krimis vorgestellt, die hier im Schwabenland spielen. Nur kälter

Auf der Fahrt nach Blaubeuren fin ich mitten im deutschen Wald an, mir Gedanken zu meiner Arbeit zu machen.

Ich fragte mich, in wie weit ich aktuell unseren 13 Handlungsmaximen bei kommitment noch folge, was aktuell Spaß macht und wo ich eine positive Wirkung entfalten kann. Und was ich mit dem Rest mache. Ich führte in Folge, viele Telefonate auf dem Fahrrad. Eine Erkenntnis: Abenteuer und Lerninhalte finden. Danke an Anke und an Alex von Douglas. Ich sehe wieder Bäume und nicht nur Wald.

Hier war ich noch nicht. Der Blautopf Ist aber ein teutonische Muss. Auch ein geologisches Muss. Der blaue Topf selbst ist total eindrucksvoll und die Vorstellung, dass er unterirdisch mit Höhlensystemen verbunden Ist, die die ganze umliegende schwäbische Alb entwässern, ist eindrucksvoll. Der direkte Rand des Blautopfs ist in alle Richtungen eine Baustelle. Wohl in guter Vorbereitung auf die internationalen Touristenströme, die hier anderentags zu erwarten sind. An einem Dienstagvormittag Anfang Oktober ist natürlich nicht viel los. Aber touristisch hat das Potenzial. Vielleicht könnte man auf einer Tour zwischen Rothenburg ob der Tauber und Hallstadt in Österreich noch den Blautopf einbauen. Ich stelle mir vor, wie chinesische Fans das nachbauen. Hallstadt ist ja auch nachgebaut worden. Und im Zuge internationaler CO2 Einsparung macht das ja auch Sinn.
Immerhin hat dieser blaue Topf eine magische Tiefe


Auf dem Weg die Blau entlang nach Ulm komme ich an industriellen Zeugen des Kalkgehaltes des Gesteins vorbei.

Ulm hab ich einfach durchfahren und bin dann die Iller hoch gefahren. Immer weiter, bis ich keine Lust mehr hatte und bin dann im Kloster gestrandet.




2026-10-07 Kloster Bonlanden - Reutte
Km: 109,87
Hm: 1234
KCAL: 2890
Stimmung [0-10]: 10 (perfect day)

Was für ein Tag. Meine erste Begegnung am Morgen war die mit einer alt5en kleinen und sehr freundlichen Franziskanerin. Die Nonne bemerkte, dass ich ohne Elektromotor reise und half mir, den Speisesaal in den ausgedehnten Gebäuden zu finden. Eine weitere Morgenbegegnung bei detr Schlüsselabgabe klang, wie die Stare auf dem Strommast laut, zwitscherig und auf Hormonen. Menschliches Schwarmverhalten.
Ich entzog mich heute dem menschlichen Schwarmverhalten weitestgehend. Die Gravelbike-Einstellung von Komoot machte es möglich. Das ist nun meine dritte Anreise per Rad zum Fernpass und die bislang schönste und autofreieste. Es gibt es noch, das bewaldete, ruhige und naturnahe Europa. Zwar führten anfangs einige Kilometer an der mir sehr gut bekannten A7 entlang (auch ein Ausdruck menschlichen Schwarmverhaltens), dann ging es ins blechfreie Allgäu. Hügelig und schön. Die Wege meist Waldwege oder Schotterpisten mit schönen Ausblicken auf die näherrückenden Alpen und einer entgegenkommenden Reiterin.

Unterwegs hab ich einige schöne Telefonate vom Fahrrad aus. Das mache ich sehr gerne. Eines davon mit Joli. Ich hatte auch ein Thema als etwas besorgter (nerviger) Vater auf meiner Gesprächsagenda, entschied mich aber dann dagegen, es anzusprechen. Interessanterweise löste sich das Thema und meine Sorge im Gespräch wie von selbst auf. Joli hatte die nötige Initiative schon von selbst ergriffen. Lerneffekt auf meiner Seite, die Dinge laufen lassen.
Und während ich das schreibe noch eine weitere Idee. Donnerstags habe ich jede Woche eine Abfolge von 1:1 Gesprächen. Ich werde versuchen, daraus Geh- oder Fahrradfahrgespräche zu machen. Walky Talkys. Hoffentlich willigen meine Gespprächspartner ein, wenn die das nervt, dann geht es natürlich nicht. Vielleicht kann ich eine KI überreden, die entsprechenden Gesprächsnotizen zu erstellen.
Mit all diesen Telefonaten und Gedanken und Anstiegen auf schönen Wegen kam ich den Bergen näher. Das ist meine dritte Anreise über den Fernpass und das erste Mal über Ulm. Insgesamt, so finde ich, schöner als über Augsburg und Füssen.

Kurz hinter der letzten Überquerung der A7 bei Maria-Rain gab es dann einen schönen Blick auf Deutschlands höchsten Berg. Mit 2962 Metern Höhe fehlt der Zugspitze prozentual ungefähr so viel zum 3000er, wie mir zum zwei Meter Menschen. Ich verstehe also, wie der Berg sich fühlt, fast auf Augenhöhe, aber eben doch nicht ganz.

Ich habe diesen westlichen Weg nach Reute unten als gpx-Track rot eingebaut. Ruhig, wenig Verkehr, Forst- und Feldwege und landschaftlich schön.

Ich wollte ich Vils übernachten, meine Beine freuten sich schon. Dort angekommen musste ich allerdings feststellen, dass es keine Unterkünfte direkt in Vils gibt. Im nahegelegenen Alatsee schon, aber dafür hätte ich wieder über den Berg zurück nach Deutschland gemusst. Beides unattraktiv, also weiter nach Reutte. Als ich ankam wurde es schon dunkel und auf dem Weg kam ich an eine weihnachtlich anmutenden Kapelle bei Pfach vorbei. Die Stecke war eben flach bei Pflach (eine Triteutologie :-), Alliteration), was meine Beine sehr mochten.

2026-10-08 Reutte - Auszeithaus Auders
Km: 68,91
Hm: 1593
KCAL: 2229
Stimmung [0-10]: 7 (kalt und zum ersten mal viel Regen)
Das viele rot zeigt es schon, die Strecke war anstrengend, viele Anstiege und damit langsam. Aber auch schön.
. Die Bremer Punkband BURNOUT OSTWEST hielt mich bei Stimmung. Der Fernpass selbst war kaum zu sehen, dafür aber ganz gut zu hören. Immerhin handelt es sich um einen der meist befahrenen Pässe der Ostalpen.

Bei der Abfahrt runter ins Tal ging zunächst mein Vorderrad runter in den Schotter und ich dann runter vom Rad. Hände am Lenker lassen und Kopf nicht anschlagen waren beides gute Ideen. Der Fernpass runter im Regen mit schwerem Tourenbike auf nassrutschigem Kalkstein braute mehr Konzentration. Also konzentrierte ich mich. Etwas entspannter wurde es dann im Tal. Schneller und weniger steil.

Dann nochmals rauf von Imst auf 720 Metern Höhe zum Auszeithaus auf 1200 Metern. Das geht einfach stoisch bergan.

Kurz vor meinem Reiseziel wurde vom ortsansässigen Empfangskomitee begrüßt. Ich mag die wirklich gern. Sie strahlen für mich Ruhe, Klugheit und eben Stoizismus aus.

Und dann natürlich Franz und Jürgen und Christina.
2026-10-09ff Auszeithaus Auders.
Keine nennenswerten sportlichen Aktivitäten. Dafür Freunde- und Vereinstreffen, Zukunftsdiskussionen, Kochen, Nachbarn treffen, Holz und Kümmel spalten, alte Bilder betrachten und neue Gedanken entstehen lassen.
Unterschiede aushalten und mögen.

